FASANENSTRASSE 26
10719 BERLIN
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FASANENSTRASSE 26, 10719 BERLIN
Jürgen Draeger “QUERELLE”-ZYKLUS
22 June – 28 July 2018
Film Screening: Wed 4 July 2018 | 7pm Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, 10719 Berlin
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Film Screening "Querelle"
Regie: Rainer Werner Fassbinder

Mittwoch, 4. Juli 2018, 19 Uhr
Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, 10719 Berlin

Der Künstler Jürgen Draeger ist anwesend und spricht über Jean Genets Buch "Querelle de Brest", die Dreharbeiten des Fassbinder-Films und seine eigenen Werke.

PRESSEMITTEILUNG  please scroll down for English

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Galerie Kornfeld freut sich, Ihnen Arbeiten des deutschen Künstlers und Schauspielers Jürgen Draeger zu präsentieren. Zu sehen sind ebenso meisterhafte wie sinnliche Zeichnungen, die 1982 während der Dreharbeiten zu Rainer Werner Fassbinders aufsehenerregendem letztem Film „Querelle“ entstanden.

Draeger, geboren 1940 in Berlin, machte sich in den 1960er Jahren einen Namen als charismatischer Schauspieler und avancierte rasch zum Publikumsliebling. Seine wahre Passion aber war und blieb die Malerei. Bereits als dreizehnjähriger Schüler durfte er an der Berliner Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) studieren und veröffentlichte kurz darauf erste Werke in Zeitungen und Magazinen. 1960 erhielt er aus der Hand Willy Brandts, damals Regierender Bürgermeister von Berlin, bei der Großen Berliner Kunstausstellung den 1. Preis für Junge Kunst für sein Ölgemälde „Berliner Häuser“, ein Bild, das ein einsames, vom Krieg verschontes Mietshaus inmitten von Ruinen zeigt. Diese erste Begegnung war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. 1990 kam es auf ausdrücklichen Wunsch Willy Brandts zu einer engen Zusammenarbeit - Draeger begleitete den Politiker zeichnerisch auf einer Reise durch die neuen Bundesländer.

Zur Kooperation mit Filmgenie Rainer Werner Fassbinder kam es, nachdem der Regisseur Draegers Zyklus „Sucht und Drogen“ gesehen hatte, eine schonungslose Darstellung menschlicher Selbstzerstörung, die 1981 mit dem Grand Prix International d’Art Contemporain de Monte-Carlo ausgezeichnet wurde. Offenbar erkannte Fassbinder einen Wahlverwandten, denn er bat Jürgen Draeger, die Dreharbeiten zu „Querelle“ malerisch zu dokumentieren. Basierend auf Jean Genets 1947 erschienenem Roman „Querelle de Brest“ sollte der Film die verstörende Geschichte eines Matrosen erzählen, der seine Homosexualität tabulos auslebt und sich immer tiefer in ein Geflecht aus Liebe, Gewalt und Verrat verstrickt. Bald darauf richtete sich Draeger ein Atelier in den Berliner Filmstudios ein, wo er mit dem Filmteam lebte und arbeitete. Unter anderem portraitierte er die Leinwandikonen Brad Davies, Franco Nero und Jeanne Moreau sowie den Regisseur selbst, den bereits von seinen Süchten gezeichneten, mal cholerischen, dann wieder zärtlich zugewandten Fassbinder. Der vertraute Draeger derart vorbehaltlos, dass er dem Künstler auch jenseits des Scheinwerferlichts intimste Einblicke in die Entstehung seines letzten Films gewährte.

In jeder Zeichnung spürt man die Intensität eines kreativen Ausnahmezustands. Es sind Dokumente eines nahezu manischen Schaffensprozesses, vor und hinter der Kamera, auch in Phasen der Erschöpfung und der selbstvergessenen Nachdenklichkeit. Auf diese Weise  erlaubt der "Querelle“-Zyklus einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen einer inzwischen legendären Produktion: minutiös beobachtete Gesten und seelische Zustände, Psychogramme, die jenseits simpler Abbildlichkeit den Menschen in all seinen Facetten beleuchten. Mit seinen subtilen Zeichnungen stellt sich Jürgen Draeger in die Tradition eines Henri de Toulouse-Lautrec, der vergleichbar unerschrocken eine subkulturelle Sphäre zum künstlerischen Sujet nobilitierte. Wie ein roter Faden zieht sich diese Arbeitsweise durch Draegers Werk, von "Sucht und Drogen" über den „Querelle“-Zyklus bis zu seinen Serien zum Circus Roncalli (1983) und zu "Ein Käfig voller Narren / La cage aux folles" (1986).

Bald nach Fassbinders Tod, in den Jahren 1982 und 1983, tourte der „Querelle“-Zyklus durch Europa. Bruno Balz, Dreagers langjähriger Lebenspartner und einer der größten deutschsprachigen Textdichter des 20. Jahrhunderts ("Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n"), orakelte damals: „Wenn du diese Zeichnungen der Öffentlichkeit zeigst, ist deine Karriere zu Ende". Das Gegenteil war der Fall. Die Schau wurde zu einem beispiellosen Erfolg. Mehr als eine halbe Million Menschen strömte damals in die Wanderausstellung, die mit künstlerischen Mitteln einen Gegenentwurf zum konservativen gesellschaftlichen Klima bildete: als soziale wie politische Vision eines sexuell befreiten Lebens jenseits der reglementierten Normalität, inspiriert von Fassbinders kompromissloser Ästhetik. Doch noch heute ecken Draegers Werke an. Sie provozieren und schockieren, sie entsetzen und werfen Fragen auf, ganz im Geiste Jean Genets, der sagte: "Das einzige Mittel, dem Entsetzen zu entgehen, besteht darin, sich dem Entsetzen zu überlassen.“

Dr. Christine Eichel

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie ein Interview mit Jürgen Draeger führen möchten.

Druckfähiges Bildmaterial oder weitere Abbildungen senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.

Für Fragen oder weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Tilman Treusch

Kontakt

Dr. Tilman Treusch
treusch@galeriekornfeld.com

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Fasanenstraße 26
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Germany

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PRESS RELEASE

Film Screening "Querelle"Regie: Rainer Werner Fassbinder

Wednesday, July 4, 2018, 7pm

Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, 10719 Berlin

Jürgen Draeger speaks about Jean Genet's novel "Querelle de Brest", the shooting of the Fassbinder-movie and his own interpretation of "Querelle".


Galerie Kornfeld, Fasanenstrasse 26, D-10719 Berlin

Dear All,

Galerie Kornfeld is glad  to present works by German artist and actor Jürgen Draeger. On display are drawings, both masterly and sensual, created during the filming of Rainer Werner Fassbinder’s spectacular last film “Querelle”.

Born in Berlin in 1940, Draeger made a name for himself as a charismatic actor in the 1960s, quickly becoming a public favorite. But his true passion was, and continues to be, painting. At the young age of thirteen he was allowed to study at Berlin University of the Arts, publishing his first works in newspapers and magazines shortly afterwards. In 1960, Willy Brandt, then governing mayor of Berlin, presented him with the 1st Prize for Young Art at the Great Berlin Art Exhibition for his oil painting “Berliner Häuser”, which depicted a lonely apartment building, spared in the war, in the midst of ruins. This first encounter was the beginning of a lifelong friendship. In 1990, at Willy Brandt’s express request, a close collaboration was initiated – Draeger accompanied the politician on a tour through the new German states, which he captured in his drawings.

The collaboration with cinematic genius Rainer Werner Fassbinder came about after the director had seen Draeger’s cycle “Sucht und Drogen” (Addiction and Drugs), a relentless depiction of human self-destruction, which received the 1981 Grand Prix International d’Art Contemporain de Monte-Carlo. Fassbinder had seemingly recognized a congenial spirit, asking Jürgen Draeger to document the shooting of “Querelle” through painting. Based on Jean Genet’s 1947 novel “Querelle de Brest”, the film intended to tell the disturbing story of a sailor who acts out his homosexuality without restraint, becoming increasingly entangled in a web of love, violence and betrayal. Draeger soon set up an artist’s workshop in the Berlin film studios, where he lived and worked with the film crew. Among others, he portrayed the movie icons Brad Davies, Franco Nero and Jeanne Moreau, as well as Fassbinder himself, who, already marked by his addictions, was sometimes choleric, sometimes affectionate. He trusted Draeger so unreservedly that he gave the artist intimate insights into the making of his last film, even beyond the spotlight.

In every drawing, one senses the intensity of a state of creative emergency. They are documents of an almost manic creative process, in front of and behind the camera, even during phases of exhaustion and absent-minded contemplation. Thus, the “Querelle”-cycle offers a fascinating glimpse behind the scenes of a now legendary production: meticulously observed gestures and mental states, psychogrammes that illuminate people in all their facets, beyond simple representation. With his subtle drawings, Jürgen Draeger follows the tradition of Henri de Toulouse-Lautrec, who, with comparable audacity, also turned a subcultural sphere into a worthy artistic subject. This method is evident throughout Draeger's work, from “Sucht and Drogen” to the “Querelle”-cycle to his series for Circus Roncalli (1983) and “La cage aux folles” (1986).

Soon after Fassbinder’s death, in 1982 and 1983, the “Querelle”-cycle was exhibited all over Europe. Bruno Balz, Draeger’s life-long companion, and one of the greatest German-language lyricists of the 20th century (“Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n”), prophesied at the time: “If you show these drawings to the public, your career is over”.  The opposite was the case. The exhibition was an unprecedented success. More than half a million people flocked to see the touring exhibition, which, through artistic means, created an alternative to the conservative social climate: a social and political vision of a sexually liberated life beyond regulated normality, inspired by Fassbinder’s uncompromising aesthetics. But Draeger’s works continue to scandalize to this day. They provoke and shock, they unnerve and raise questions, in the spirit of Jean Genet, who said: “The only way to escape horror, is to bury yourself in it”.

Dr. Christine Eichel

Should you require further information, please do not hesitate to get in touch. We are happy to provide printable images on request.

Best regards,
Tilman Treusch

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