FASANENSTRASSE 26
10719 BERLIN
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FASANENSTRASSE 26, 10719 BERLIN
Martin Spengler Auto-Splash
Nov 7, 2020 – Jan 9, 2021
Special hours until Nov 30: daily from 12–6pm
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GALERIEKORNFELD präsentiert Martin Spengler: Auto-Splash

Vernissage
Samstag, 7. November, 12–20 Uhr

Laufzeit
7. November 2020 – 9 Januar 2021
Di–Sa, 12–18 Uhr
und nach persönlicher Vereinbarung

Sonderöffnungszeiten November 2020
bis 30. November täglich von 12–18 Uhr geöffnet

Ort
Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, 10719 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

Unter dem Titel Auto-Splash präsentieren wir erstmals in Berlin eine Einzelausstellung mit Skulpturen und Bildreliefs aus Wellpappe von Martin Spengler.

Der Ausstellungstitel geht auf den britischen Physiker Arthur Mason Worthington zurück, der mehr als zwei Jahrzehnte lang die ideale Form eines Tropfens beim Zerplatzen suchte und dabei den Nachbildern seiner Beobachtungen, die sich auf seiner Retina sozusagen eingebrannt hatten, größte Bedeutung zukommen ließ.

Die Vorstellung, dass das Bild, das ein Objekt beim Betrachter hinterlässt, um ein Vielfaches stärker ist als der eigentliche Moment des Sehens, postuliert Martin Spengler auch für jede Art von Kunsterfahrung. Nicht das Objekt ist das Werk, sondern das, was zwischen Objekt und Betrachter entsteht. Je intensiver dieses Bild, desto stärker dessen Wirkung, die ohne das auslösende Objekt allerdings gar nicht erst entstehen kann.

Die Motive für seine Werke, zeitgenössische Stadtbilder, Hochhäuser, Fassaden, Türme und gotische Kathedralen, findet Martin Spengler anhand von Bilddateien und Skizzen, die ihm als Vorlage für detailgetreue Vorzeichnungen dienen. Sobald diese „Vorskizze“ fertig ist, so der Künstler, „ist die Arbeit im Kopf abgeschlossen.“ Das Kunstwerk ist für ihn die „Beweisführung, dass es funktioniert“, und entsteht in einem langen Schaffensprozess über Wochen und Monate aus Wellpappe, Leim und Gesso, einer kalkhaltigen weissen Farbe.

Dieser Vorskizze folgend arbeitet sich Martin Spengler in einen Block Wellpappe, wie sie auch für Verpackungen verwendet wird, mit eigens dafür hergestellten skalpellartigen Werkzeugen hinein, Schicht um Schicht, Stück für Stück. Danach wird das fragile Material mit Leim getränkt, um dem Objekt größte Haltbarkeit zu verleihen. Ist der Leim ausgehärtet, trägt der Künstler weiße Farbe auf die Oberflächen auf und betont die Konturen mit Graphitstift. Die abgebildete Gegenständlichkeit erscheint dadurch beispielhaft – es ist nicht ausschließlich das Objekt gemeint, das dem Künstler als Vorbild diente, sondern seine Strukturen, die einerseits individuell und doch auch charakteristisch für eine Vielzahl vergleichbarer Objekte sind. Die Außenseiten der Wellpappenblöcke bleiben in der Regel unbehandelt und zeigen so das von der Farbe verschleierte Material. Jeder Schritt des Entstehungsprozesses lässt sich dadurch auch im vollendeten Werk nachvollziehen: die charakteristische Textur des Kartons ebenso wie die Gestaltungskräfte Spenglers, die dem rohen Material sein Motiv entlocken.
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Der komplexe und lange Herstellungsprozess, die visuelle Dynamik und die ornamentale Dimension von Martin Spenglers Werken sind auf den ersten Blick erkennbar und in der aktuellen Kunstlandschaft einzigartig. Seine Werke vereinen die beiden Wege bildhauerischen Schaffens: das Zusammenfügen der Wellpappen zu großen Blöcken entspricht der Idee, durch das Hinzufügen von Material zur künstlerischen Gestalt zu gelangen. Bei Spengler ist dies jedoch nur der erste Schritt auf dem Weg zum vollendeten Werk, das erst durch das gezielte Wegnehmen von Material seine finale Form findet.

Inhaltlich setzt sich der Künstler mit Strukturen und Ordnungsschemata auseinander – im wahren Leben und im Bild. Dabei sei er stets auf der Suche nach „Strukturen, die ein bestimmtes soziales Ereignis oder eine bestimmte architektonische Funktion widerspiegeln”, so Spengler, und scheut sich nicht, die Fragilität dieser Ordnungen durch bewusste Brüche, die er mit dem Wort „Sollbruchstelle“ bezeichnet, zu unterstreichen.

Die monochromen, oft menschenleeren Architekturen der Wohn- und Geschäftstürme unserer Ausstellung lassen sich als ironischer Kommentar auf die Ideale vergangener sozialer Utopien lesen, die in einer heute oft befremdlich wirkenden Architektur ihren Ausdruck finden, aber auch als eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit der Rheinromantik, wenn der stolze Fluss nur im Hintergrund der bildbeherrschenden Hochhausbauten zu sehen ist.

Martin Spengler (*1974 in Köln) begann 2003 mit dem Studium der Malerei an der Hochschule für Künste in Bremen bei Karin Kneffel, unterbrochen von zwei Auslandssemestern als Erasmusstudent 2006/07 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Manfred Pernice. 2008 folgte er Karin Kneffel an die Akademie der Bildenden Künste nach München, wo er 2010 sein Diplom als Meisterschüler abschloss und bis heute lebt.

Spengler erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, beispielsweise 2005 die Studienförderung des Cusanuswerks und seit 2012 je zwei Atelierförderungen der Stadt München und des Landes Bayern. 2018 wurde er mit einer Förderkoje im Rahmen der New Positions auf der Art Cologne präsentiert.

Seine Werke werden seit 2005 in zahlreichen Museen, Institutionen und Galerien präsentiert, unter anderem in der Nationalgalerie in Prag, in der Kunsthalle Emden, im Leopold-Hoesch-Museum in Düren oder in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen.

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie weitere Informationen oder druckfähiges Bildmaterial wünschen, oder wir einen Interviewtermin mit dem Künstler vermitteln dürfen.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Berichterstattung

Herzliche Grüße,
Tilman Treusch

Kontakt

Alfred Kornfeld: kornfeld@galeriekornfeld.com
Dr. Tilman Treusch: treusch@galeriekornfeld.com

Tel.: +49 30 889 225 890


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GALERIEKORNFELD presents Martin Spengler: Auto-Splash


Opening
Sat, November 7, 12am–8pm


Exhibition Dates
November 7, 2020 – January 9, 2021
Tue–Sat, 12am–6pm
and by personal appointment

Special hours November 2020
Until Nov 30 daily from 12–6pm

Location
Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, D-10719 Berlin, Germany

Dear ladies and gentlemen,

We are happy to present Auto-Splash, Martin Spengler’s first solo exhibition in Berlin, featuring sculptures and picture reliefs made of corrugated cardboard.

The title of the exhibition derives from the British physicist Arthur Mason Worthington, who for more than two decades sought the ideal form of a splashing drop, attaching great importance to the afterimages of his observations, which were, so to speak, burned onto his retina.

This notion that the image an object leaves behind in the viewer’s mind is much stronger than the actual moment of seeing also holds true, according to Martin Spengler, for any kind of art experience. The work is not the object, but that which develops between object and viewer. The more intense this image, the stronger its effect, which, however, cannot arise without the triggering object.

Martin Spengler finds the motifs for his works – contemporary cityscapes, skyscrapers, facades, towers and Gothic cathedrals – in image files and sketches that serve as models for detailed preliminary drawings. According to the artist, as soon as this “preliminary sketch” is completed, “the work is finished in the mind”. For him, the work of art is the “proof that it works”, produced from corrugated cardboard, glue and gesso (a chalky white paint) during a long creative process that may take weeks or months.

Following the preliminary sketch, Martin Spengler works his way into a block of corrugated cardboard – the type also used for packaging – with scalpel-like tools made especially for this purpose, layer by layer, piece by piece. The fragile material is then impregnated with glue to give the object maximum durability. Once the glue has hardened, the artist applies white paint to the surfaces, highlighting the contours with a graphite pencil. The depicted object thus appears exemplary – yet, it not merely represents the object that served as the artist's model, but also its structures, which are both unique and characteristic of a multitude of comparable objects. The outer sides of the corrugated cardboard blocks usually remain untreated, revealing the material concealed by the ink. Each step of the creation process can thus be retraced in the completed work: the characteristic texture of the cardboard, as well as the creative powers of Spengler, who coaxes his motif from the raw material.

The complex and long production process, the visual dynamics and the ornamental dimension of Martin Spengler’s works are instantly recognizable and unique in the current artistic landscape. His works combine the two paths of sculptural creation: the joining of corrugated cardboard into large blocks corresponds to the idea of achieving artistic form by adding material. For Spengler, however, this is only the first step on the way to the finished work, which only finds its final form through the deliberate removal of material.

In terms of content, the artist explores structures and patterns of order – in real life and in the image. Spengler is always in search of what he describes as “structures that reflect a particular social event or a particular architectural function” and is not afraid to underline the fragility of these orders by means of deliberate breaks, which he refers to as “predetermined breaking points”.

The monochrome, often deserted architecture of the residential and business towers in our exhibition can be read as an ironic commentary on the ideals of past social utopias, expressed in architecture that often seems strange today, but also as a contemporary examination of Rhine romanticism, the proud river only visible in the background of the high-rise buildings that dominate the image.

Martin Spengler (born 1974 in Cologne) began studying painting at the University of the Arts Bremen under Karin Kneffel in 2003, interrupted by two semesters abroad as an Erasmus student in 2006/07 at the Academy of Fine Arts Vienna, where he studied under Manfred Pernice. In 2008, he followed Karin Kneffel to the Academy of Fine Arts in Munich, where he graduated as a master student in 2010 and where he still lives today.

Spengler has received numerous awards and prizes, including the scholarship of the Cusanuswerk in 2005 and, since 2012, two studio sponsorships each from the city of Munich and the state of Bavaria. In 2018, he received a Förderkoje as part of New Positions at the Art Cologne.

Since 2005, his works have been exhibited in numerous museums, institutions and galleries, including the National Gallery Prague, the Kunsthalle Emden, the Leopold-Hoesch-Museum Düren and the Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen.

Please do not hesitate to contact us for further information, printable images, or to arrange an interview with the artist.

Yours,
Shahane Hakobyan


Contact:

Alfred Kornfeld: kornfeld@galeriekornfeld.com
Shahane Hakobyan: hakobyan@galeriekornfeld.com

+49 30 889 225 890

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