FASANENSTRASSE 26
10719 BERLIN
68 Projects
FASANENSTRASSE 26, 10719 BERLIN
Pack den Badeanzug ein
June 27 – August 31, 2019
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GALERIE KORNFELD
präsentiert
Pack den Badeanzug ein

Vernissage
Donnerstag, 27. Juni, 18–21 Uhr

Laufzeit
27. Juni – 31. August 2019
Di–Sa, 11–18 Uhr

Ort
Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, 10719 Berlin

Künstler*innen
Alicia Adamerovich, Tom Anholt, Elvira Bach, Carlo D'Anselmi,
Monica Kim Garza, Stefanie Gutheil, Erik Hanson,
Kimia Ferdowsi Kline, Ella Kruglyanskaya, Tamara Kvesitadze,
Clemencia Labin, Kat Lyons, Christian Perdix,
Logan T. Sibrel, James Ulmer

Sehr geehrte Damen und Herren,

kaum ein Lied vermag die ausgelassene Stimmung und Unbeschwertheit des Sommers so treffend einzufangen wie der Schlager „Pack die Badehose ein“ aus den frühen 1950er Jahren. Beschwingt singt der Kinderstar Conny von den kleinen Lasten des Alltags, die mit einem Sprung ins kalte Wasser des Wannsees gelöst werden können.

Diesem Motto folgend freuen wir uns, Ihnen mit der Ausstellung „Pack den Badeanzug ein“ einen erfrischenden Blick auf junge und etablierte Positionen der zeitgenössischen Malerei zu geben. Anhand einer breiten Auswahl künstlerischer Arbeitsweisen untersuchen wir, was Malerei im 21. Jahrhundert sein kann. Wie geht es dem ältesten Medium der Kunst in unserer hyper-digitalisierten Zeit? Was kann das analoge Bild, was das digitale nicht kann, und wie beeinflussen sich die Medien gegenseitig?

Christian Perdix (*1987 in Berlin, DE) erforscht, wie unser Online-Verhalten das Leben außerhalb des Netz beeinflusst. Im hybriden Raum seiner Bilder stehen halbseidenes Wissen und geprüfte Fakten gleichberechtigt nebeneinander und gehen allzu oft eine gefährliche Liaison ein.

Die Gemälde von Kat Lyons (*1991 in Louisville, US) thematisieren die Auswirkungen medialer Omnipräsenz. Ihre Werke sind reich an Metaphern und zeigen, wie es sich anfühlt, es den anderen stets recht machen zu wollen. Die Anforderungen der Gesellschaft an das Frausein im 21. Jahrhundert scheinen nicht selten unlösbar. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Gleichheit der Geschlechter noch immer eine Utopie ist und das Ungleichgewicht zwischen Frau und Mann wohl nicht in absehbarer Zeit beseitigt werden wird. Nicht zuletzt deshalb erscheinen die Frauenfiguren in ihren Werken als Tiere – oft genug fühlt frau sich heute noch immer wie das Zirkuspferd in der Manege der Eitelkeiten. Einen Lösungsvorschlag aus dieser Misere gibt Lyons auch: erhebe Dich, einem Phoenix gleich, aus der Asche. Dabei gilt in ihrer Praxis das Aufzeigen der Problematik als erster Lösungsansatz, der dem Dekonstruieren festgeschriebener Verhaltensweisen dient. Aus diesen Fragmenten erschafft sie ihren Phoenix.

Surrealistische Momente dieser Art bestimmen auch die Werke von Alicia Adamerovich (*1989 New York, US), Stefanie Gutheil (*1980 Ravensburg, DE) und Tamara Kvesitadze (*1968 Tbilisi, GA). Mit den Mitteln der Abstraktion dekonstruieren sie vorhandene Geschlechterrollen und kreieren so, einer Tabula rasa gleich, einen Ort der Reflexion und Diskussion. Während Kvesitadze ihre Figuren nackt, verletzlich und schutzlos präsentiert, verbindet Adamerovich ihre Frauen mit den Gegenständen, von denen sie umgeben sind, während sie sich buchstäblich auf der Couch entspannen, auf der sie liegen. Und die ballonartigen weiblichen Brüste der Figuren in Gutheils Werken  erinnern mehr an ein  Objekt aus einem Comic als an tatsächlich weibliche Formen.

Die Badenden von Monica Kim Garza (*1988 New Mexico, US) laden uns dazu ein, eine Gedankenreise zu heißen Sommertagen am Strand zu unternehmen. Mit selbstbewusster Selbstverständlichkeit feiern ihre Frauen das süße Nichtstun an einem heißen Sommertag – begleitet von kühlen Drinks, Sonnencreme und kühlendem Wasser scheinen ihre (Sonnen-)Badenden der Welt entrückt und ganz bei sich.

Die Protagonisten der Bilder von Carlo D'Anselmi (*1991 New York, US) dagegen betrachten das kühle Nass als Bühne ihrer Dramen des Miteinander. Mit zarten Gesten blickt D'Anselmi auf die Fragilität zwischenmenschlicher Beziehungen und entwirft vor unseren Augen ein Diorama aller Spielweisen des Miteinanders. Offen dabei bleibt, ob die Figuren im Wasser nach Erlösung suchen oder Schmerz empfinden.

Die Kompositionen von Kimia Ferdowsi Kline (*1984 Tennessee, US) muten wie Schnappschüsse eines längst vergangenen Sommerurlaubs an. Die Gesichter ihrer Urlauber*innen und die Details der Umgebung werden nur schemenhaft wiedergegeben und gleichen so den fragmentarischen Erinnerungen in unserem Kopf. Monate später schauen wir dann voller Verwunderung auf die Bilder der vergangenen Erlebnisse und glauben, den Sand in unseren Schuhen und eine leichte Brise auf unserer Nase zu spüren.

Eine vergleichbare Wirkung haben auch die Zeichnungen von Ella Kruglyanskaya (*1978 Riga, LV), der es mit präzisem und minimalistischem Strich gelingt, die ganze Opulenz der Sommerzeit wiederzugeben. Beim Betrachten ihrer Werke stellen sich unverzüglich Assoziationen an übervolle Schwimmbäder ein. In ihrer Konzentration auf Frauen beim Sonnenbaden erscheint die Umgebung der Frauen als abstrahiertes Form. Gleichwohl meinen wir, den Geruch von Sonnenmilch in der Nase zu haben und die fröhlichen Rufe der aufgeregten Kinder am 3-Meter-Turm zu hören.

Die bildimmanente Visualisierung von Geräuschen findet sich auch in den Werken des US-Amerikaners Erik Hanson (*1969 Tokyo, JP). In den vergangenen zwei Jahren widmete er sich immer wieder dem Widersacher des Seemanns Popeye aus dem gleichnamigen Comic: Bluto. Dieser entspricht dem Prototyp des „Bad Boy“ und damit einem zumeist männlichen Rollenverständnis, für das Hanson kein Verständnis aufbringen kann. Seine intensive Auseinandersetzung mit dem Charakter Blutos, der in scheinbar unendlicher Folge dieses Klischee von Männlichkeit wiederholt, gleicht einer Meditation über tradierte Rollenbilder.

In einem Zustand meditativer Gelassenheit scheinen sich auch die Jungen auf den Werken von Logan T. Sibrel (*1986 New York, US) zu befinden. Seine Kompositionen verbinden eigene Erfahrungen und Beobachtungen mit Abbildungen aus dem Internet und hinterfragen das Verhältnis des Künstlers zu Vergangenheit und Nostalgie. So erinnern uns seine Werke immer auch an die stillen Momente am Beckenrand, wenn wir im Untergehen der Sonne schon das Verblühen des Sommers spüren.

Doch bevor es soweit ist, steht zumeist ein Kleidungsstück im Vordergrund, welches wie kein anderes das Versprechen des Sommers in sich trägt – der Badeanzug. Nicht nur lädt dieser uns auf Gedankenreisen zu warmen Sonnenstrahlen und unbekümmerten Sommerabenden ein, er ist wie kaum ein anderes Kleidungsstück immer auch ein Politikum, das Aufschluss gibt über den aktuellen Zeitgeist und damit Ausdruck der Emanzipation der Frau.

Clemencia Labin (*1946 in Maracaibo, VE) wendet ihren Blick ebenfalls jenen Anzügen zu und schafft aus ihnen organisch anmutende Skulpturen in ihrer Werkreihe „PULPA“. Die Farben und Strukturen sind zart und verführerisch wie die tropischen Eiskreationen in den Vitrinen exquisiter Eissalons. Sie versprechen Freude, Vergnügen und Verlangen, Wärme, Wohlbefinden und Optimismus; sie sind opulent, vital und stark.

Die deutsche Künstlerin Elvira Bach (*1951 in Neuenhain, DE) schließlich huldigt in ihren farbenfrohen Werken bereits seit den 1970er Jahren der badenden Frau. In expressivem Pinselgestus ausgeführt, entwirft die Künstlerin das schillernde Bild einer emanzipierten, selbstbewussten Frau. Ihren Mannequins gleich ist dabei immer der Stolz, die Anmut und das Wissen um ein Geheimnis: Liegt zwischen Himmel und Haut nur ein kleines Stück Stoff, bedarf es nicht unbedingt eines geraden Rückens aber einer starken Haltung.

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie weitere Informationen oder druckfähiges Bildmaterial wünschen.

Mit freundlichen Grüßen
Tilman Treusch


Kontakt:
Dr. Tilman Treusch
treusch@galeriekornfeld.com

GALERIEKORNFELD
Kunsthandel GmbH & Co KG
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Tel.: +49 30 889 225 890
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GALERIE KORNFELD
presents
Pack den Badeanzug ein

Opening
Thursday, June 27, 6–9pm

Exhibition Dates
June 27 – August 31, 2019
Tue–Sat, 11am–6pm

Venue
Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, 10719 Berlin

Artists
Alicia Adamerovich, Tom Anholt, Elvira Bach, Carlo D'Anselmi,
Monica Kim Garza, Stefanie Gutheil, Erik Hanson,
Kimia Ferdowsi Kline, Ella Kruglyanskaya, Tamara Kvesitadze,
Clemencia Labin, Kat Lyons, Christian Perdix,
Logan T. Sibrel, James Ulmer

Dear Ladies and Gentlemen,

Few songs have managed to capture the lightheartedness and exuberance of summer in the way that the German hit song “Pack die Badehose ein” (“Pack Your Swimsuit”) did in the early 1950s. The teen star Conny sings about the small burdens of everyday life, which can be removed simply by jumping into the cold water of the Wannsee lake.

We are pleased to present the exhibition “Pack den Badeanzug ein” , a refreshing look at both emerging and established positions in contemporary painting. Featuring a broad selection of artistic methods, we push the boundaries of what painting can be in the 21st century. What is the state of arts oldest medium in today's hyper-digitized world? What can the analogue image do that the digital cannot, and how do the two media influence each other?

Christian Perdix (*1987 Berlin, DE) explores how our online behavior effects life beyond the web. In the hybrid space of his images one finds fantasy and reality sitting side by side, teetering towards a dangerous liaison.

Kat Lyons’ (*1991 Louisville, US) paintings deal with the effects of the omnipresence of the media. Her works are rich in metaphor, exploring the desires of wanting to please others. Society’s demands on womanhood in the 21st century often seem insoluble. Within the works she explores the utopia of gender equality and the frustration of existing inequality between women and men. Figures often appear in her work as animals, as a demonstration that many women still feel like show horses in a circus ring of vanities. Lyons offers a way out of this misery, a way to rise from the ashes. In her practice, identifying the problem becomes the first step towards finding a solution. She thereby deconstructs fixed behavioral patterns, birthing her own phoenix from these fragments.

Similar surrealistic moments dominate the works of Alicia Adamerovich (*1989 New York, US), Stefanie Gutheil (*1980 Ravensburg, DE) and Tamara Kvesitadze (*1968 Tbilisi, GA). Through abstraction, they deconstruct existing gender roles to create a theoretical blank canvas for reflection and discussion. As Kvesitadze presents her figures stripped of all cover in their rawest state, Adamerovich blends her women to the objects they are surrounded by as they relax literally into the couch they lie on, and Gutheil's balloon like female breasts that remind us of a cartoonish object more so than the female form.

Monica Kim Garza’s (*1988 New Mexico, US) bathers invite us to take an imaginary journey to the beach on a hot summer’s day. Shameless in their self-confidence, her women celebrate the sweetness of idling in the summer sun, surrounded by cold drinks, sun lotion and the cool water. Her sunbathers seem to be both far away from the world and completely at one with themselves.

For the protagonists of Carlo D'Anselmi's (*1991 New York, US) paintings, the presence of water becomes a stage for drama—a place to plunge in, float, or to turn inward. The relationships between the figures are revealed through quiet gesture—reaching hands and averted gazes.With delicate gestures, D'Anselmi looks at the fragility of interpersonal relationships and, before our eyes, creates a diorama of all the different ways of being together. Whether the figures are looking for salvation in the water or whether they are experiencing pain is left open.

Kimia Ferdowsi Kline's (*1984 Tennessee, US) compositions seem like snapshots of long-gone summer holidays. The faces of her holidaymakers and the details of their surroundings are only reproduced schematically, thus resembling the fragmentary memories in our heads. Months later, we look in amazement at the pictures of past experiences, almost feeling the sand in our shoes and a light breeze on our skin.

Ella Kruglyanskaya’s (*1978 Riga, LV) drawings have a similar effect, reproducing all the opulence of summertime with precise and minimalist strokes. Looking at her works, one is instantly reminded of overcrowded swimming pools.  Her focus is on sunbathing women, whose environment only appears in abstract form. We nonetheless have the impression of smelling the sun lotion and of hearing the cheerful cries of excited children at diving board.

The immanent visualization of sounds can also be found in the works of the American artist Erik Hanson (*1969 Tokyo, JP). Over the past two years he has devoted himself time and again to the character of Bluto, Popeye the Sailor’s nemesis in the eponymous cartoon. Bluto is a stereotypical “bad boy”, reflecting a traditional alpha male understanding of gender roles and yet in the exploration of Bluto's dual nature as good and bad the artist challenges himself and others to consider forgiveness. His intensive exploration of Bluto’s character, who endlessly repeats this cliché of masculinity, becomes a meditation on traditional gender roles. 

The men in Logan T. Sibrel’s (*1986 New York, US) works also seem to be in a state of meditative calmness. His compositions combine personal experiences and observations with images from the internet, simultaneously exploring his own feelings of nostalgia and a more collective, engineered, sense of longing for someone or somewhere else.

But before this moment comes, the focus is on one piece of clothing, which embodies the promise of summer like no other – the swimsuit. Not only does it invite us on imaginary journeys of carefree summer evenings, it is also, possibly more so than any other piece of clothing, always a political symbol, revealing the current zeitgeist and giving expression to women's emancipation.

Clemencia Labin (*1946 in Maracaibo, VE) also fixes her gaze on the swimsuit, using them to create seemingly organic sculptures in her series "PULPA". The colours and textures are delicate and alluring like the tropical creations seen in the vitrines of exquisite ice cream parlours. They promise joy, pleasure and desire, warmth, wellbeing and optimism; they are opulent, vital and strong.

In her colorful works, the German artist Elvira Bach (*1951 Neuenhain, DE) has been paying homage to bathing women since the 1970s. With expressive brushstrokes, the artist creates dazzling images of emancipated, self-confident women. Common to all her figures is pride, grace, and the knowledge of a secret: if only a small piece of fabric lies between the sky and your skin, you do not necessarily need a strong posture but definitely a strong position.

Should you require further information, or wish to interview any of the artists, please do not hesitate to get in touch. We are happy to provide printable images on request.

Best regards,
Shahane Hakobyan & Tilman Treusch

Contact:

Shahane Hakobyan
hakobyan@galeriekornfeld.com


Dr. Tilman Treusch
treusch@galeriekornfeld.com

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