FASANENSTRASSE 26
10719 BERLIN
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FASANENSTRASSE 26, 10719 BERLIN
Jan Tichy | Weight Of Glass
Weight Of Glass
12 Nov 2016 – 7 Jan 2017
Opening: Sat 12 Nov | 6–9pm
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GALERIE KORNFELD

präsentiert

Jan Tichy   |   Weight of Glass


Eröffnung

Samstag, 12. November 2016, 18–21 Uhr

Laufzeit

12. November 2016 – 7. Januar 2017

Ort

Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, D-10719 Berlin


Samstag, 19. November, 18 Uhr

Artist Talk

Samstag, 17. Dezember, 15 Uhr

Production: Postproduction

PRESSEMITTEILUNG – please scroll down for English

Sehr geehrte Damen und Herren,

Parallel zur Ausstellung „Jan Tichy: Installation Nr. 29 (Neues Rathaus)“, der ersten institutionellen Einzelausstellung von Jan Tichy in Deutschland in der Kunsthalle in Osnabrück, präsentiert die Galerie Kornfeld den in Chicago lebenden Künstler mit der Ausstellung „Weight of Glass“. Die beiden Ausstellungen werden verbunden durch „German Nature“ (2016), eine Neonarbeit, die in Osnabrück ebenso wie in Berlin mit Hilfe von Lichtsignalen die neuen Sprachen aufzeichnet, die mit der Ankunft von über einer Million Flüchtlingen die deutsche Landschaft bereichern. Die Ausstellungen werden von einem gemeinsamen Katalog begleitet.

Nachdem Jan Tichy 2012 die Gestaltung der László Moholy-Nagy Ausstellung „Education of Senses“ im Loyola Art Museum in Chicago übernahm, bekam er durch die László Moholy-Nagy Foundation in Chicago die einzigartige Gelegenheit, mit originalen Filmaufnahmen zu arbeiten, die Moholy-Nagy 1936 in London gedreht hatte. Moholy-Nagy, einer der Bauhaus-Meister, hielt sich nach seiner Flucht aus Deutschland für kurze Zeit in London auf, bevor er nach Chicago weiterzog. Die abstrakten, schwarz-weißen Filmaufnahmen entstanden im Auftrag von H.G. Wells für dessen visionären Science Fiction-Film „Things To Come“. Im vollendeten Film finden sich nur wenige Sekunden von Moholy-Nagys abstrakter Vision einer gläsernen Stadt in den Sequenzen, die den Wiederaufbau der Stadt „Everytown“ nach den Verwüstungen des Krieges und damit die Utopie einer neuen, reineren Zeit zeigen. Der Name des Künstlers taucht in den Credits nicht auf. Die von Moholy-Nagy verwendeten Techniken Reproduktion, Multiplikation und Schichtung sowie die Verwendung vieler kurzer und kürzester Sequenzen nutzte Jan Tichy auch für sein Werk, das die vier Szenen mit insgesamt achtzig Sekunden Filmmaterial von Moholy-Nagy zu einem Panorama von drei parallel abgespielten Videos mit einer Gesamtlänge von fünfeinhalb Minuten neu zusammensetzt; eine neue Stadtlandschaft entsteht, die beiden Künstlern gleichermaßen zuzuschreiben ist.

„Things To Come 1936–2012“ wird in der Galerie Kornfeld seine Deutschlandpremiere erleben. Auf Einladung der Galerie Kornfeld verbrachte Jan Tichy im Winter und im Sommer 2016 insgesamt drei Monate in Deutschland, wo er sowohl intensive Recherchen am Bauhaus in Dessau und Berlin betrieb als auch auf die aktuelle soziale und politische Situation des Landes reagierte und beide Themen schließlich miteinander verband. Tichys in Chicago entstandene Interpretation von Moholy-Nagy wird nun aus einer veränderten Berliner Perspektive hinterfragt.

„Installation no.30 (Lucia)” (2016) sowie das Video „Negatives Missing“ (2016) folgen den aktuellsten Forschungen zum Schicksal der Fotografien von Lucia Moholy, der ersten Ehefrau von László Moholy-Nagy, die Robin Schuldenfrei kürzlich publizierte. Lucia Moholy dokumentierte die Entwicklung des Bauhauses von Beginn an, musste bei ihrer Flucht vor den Nazis im Jahr 1933 aber all ihre Glasnegative in Berlin zurücklassen. Das Gewicht dieser Glasnegative ist heute mit dem Gewicht all der Lebensgüter befrachtet, welche die aktuell nach Deutschland und Europa fliehenden Menschen in ihrer Heimat zurücklassen müssen. Wenn sie mit Hilfe von Licht erneut zum Leben erweckt werden, bewahren die 330 Glasnegative, die niemals zu Lucia Moholy zurückgekehrt sind, ihr imaginäres Potenzial bis heute. „Installation no.30 (Lucia)” ist eine Einkanalvideoprojektion auf 330 Glasplatten, die den Galerieraum mit Reflektionen füllen, die denen gleichen, die László Moholy-Nagy für „Things To Come“ geschaffen hat: ein architektonisch gestalteter Ausschnitt von „Everytown“ mit dem Versprechen des Bildes einer imaginären Architektur.

Zwei Fotografien, die der Künstler während seines ersten und seines letzten Berlinaufenthaltes 1989 und 2016 anfertigte, sind ebenso Teil der Ausstellung wie zwei Fotogramme, die uns zu einer Reise in die Dunkelkammer unterhalb der Meisterhäuser in Dessau einladen. Das Video „100RAW“ (2008)  entstand als direkte Antwort des Künstlers auf „Production: Reproduction“, einen der wichtigsten Texte der beiden Moholys, der möglicherweise in ebendieser Dunkelkammer in Dessau entstanden ist. Das Video zeigt die ersten 100 Fotografien, die Jan Tichy nach seiner Ankunft in Chicago aufgenommen hat, im sogenannten RAW-Format, das die verlustfreie Speicherung von Fotografien erlaubt. Parallel zu den Fotografien hört man den Sound, der entsteht, wenn man dieselbe Datei nicht mit einer Bild- sondern mit einer Audiosoftware öffnet.

Jan Tichy ist ein zeitgenössischer Künstler, der an der Schnittstelle von Video, Skulptur, Architektur und Fotografie arbeitet. Seine konzeptuellen Werke sind sozial und politisch engagiert. Der Künstler wurde 1974 in Prag geboren, studierte Kunst in Israel und erhielt seinen Master of Fine Arts an der School of the Art Institute of Chicago, wo er heute eine Assistenzprofessur im Department of Photography and the Department of Art & Technology Studies hält. Das MCA Chicago, das Santa Barbara Museum of Art, das Wadsworth Atheneum Museum of Art, das Museum of Contemporary Photography in Chicago, das Chicago Cultural Center, das Tel Aviv Museum of Art und das CCA Tel Aviv zeigten Einzelausstellung des Künstlers. 2011 gründete er „Project Cabrini Green“, ein kommunales Kunstprojekt, welches das letzte Hochhaus des Cabrini Green Housing Projects während seines einmonatigen Abrisses mit gesprochenen Worten illuminierte. 2014 begann Tichy mit dem „Heat Light Water Project“ in Gary (Illinois), einem kommunalen Langzeitprojekt, das von der NEA, der größten US-amerikanischen Gewerkschaft, unterstützt wird. Seine Werke finden sich in so bedeutenden Sammlungen wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Israel Museum in Jerusalem, der Magasin Stockholm Kunsthall oder dem Indianapolis Museum of Art. Kürzlich war sein Video „Things To Come (1936–2012)“ im Begleitprogramm der großen László Moholy-Nagy-Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum zu sehen.

Druckfähiges Bildmaterial oder weitere Abbildungen senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.

Für Fragen oder weitere Informationen stehen wir Ihnen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Tilman Treusch

Kontakt

Dr. Tilman Treusch
treusch@galeriekornfeld.com

GALERIEKORNFELD
Kunsthandel GmbH & Co KG
Fasanenstraße 26
10719 Berlin
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Tel +49 30 889 225 890

Fax +49 30 889 225 899


galerie@galeriekornfeld.com

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GALERIE KORNFELD

presents

Jan Tichy   |   Weight of Glass


Opening

Sat 12 November 2016, 6–9pm

Duration

12 November 2016 – 7 January 2017

Venue

Galerie Kornfeld, Fasanenstraße 26, D-10719 Berlin


Sat 19 November, 6pm

Artist Talk

Sat 17 December, 3pm

Production: Postproduction

PRESS RELEASE

Dear Madam/Sir,

Weight of Glass is the first solo exhibition of Chicago based artist Jan Tichy with Galerie Kornfeld in Berlin and will open concurrently with Jan Tichy: Installation Nr. 29 (Neues Rathaus), the first institutional solo exhibition of the artist in Germany at the Kunsthalle Osnabrück. The two exhibitions will both feature a new real-time neon work entitled German Nature, 2016 that uses light as a way of registering the new languages introduced to the German landscape with the arrival of over one million refugees. Kunsthalle Osnabruck will publish an accompanying catalog with texts by Prof. Dr. Barbara Kaesbohrer and Dr. Robin Schuldenfrei.

Subsequent to his work on the design of the Moholy-Nagy exhibition, Education of Senses at the Loyola Museum of Art in Chicago in 2012, Tichy was given access by the Moholy-Nagy estate to four original pieces of a film footage that László Moholy-Nagy made in London 1936. Moholy-Nagy, one of the Bauhaus Masters, stayed briefly in London on his way to Chicago, after having been forced to flee Germany. The eighty seconds of the abstract black-and-white footage comes from a commission by H.G. Wells for his visionary film Things To Come. Only a small number of Moholy-Nagy’s shots of abstract, glass urban visions made it into the movie sequence “rebuilding of Everytown” that portrays the new utopian future for the devastated world. The artist was not credited. Working through Moholy’s techniques of reproduction, multiplication, flipping and layering, Tichy worked with the found footage of eighty seconds, rebuilding it into a panoramic three-channel format of five and a half minutes duration; a new urban landscape owned by both artists.

Galerie Kornfeld, which is premiering Things To Come 1936-2012 in Germany, invited Tichy to challenge his Chicago-based interpretation of Moholy-Nagy from the Berlin perspective. The artist spent three months in Germany in winter and summer of 2016, researching the Bauhaus periods of Dessau and Berlin as well as responding to the current social and political situation, eventually interconnecting the two.

Installation no. 30 (Lucia), 2016 and single channel video Negatives Missing, 2016 follow the new research published by Robin Schuldenfrei on the fate of the photographs created by Lucia Moholy, the first wife of László Moholy-Nagy, who single-handedly documented the Bauhaus beginnings and development but had to abandon all of her glass plates negatives in Berlin when fleeing the Nazis in 1933. The weight of that glass is freighted today with the weight of life’s possessions that people are forced to leave behind. The 330 glass-plates negatives that never made it back to Lucia Moholy still retain their imagistic potential when activated with light. Installation no. 30 (Lucia) is a single channel video projection on 330 glass plates that modulates the architectural space of the gallery with reflections similar to the ones created for Things To Come, an architectural space of Everytown, with a promise of a photograph of architecture.

The exhibition features two photographs taken by the artist during his first and last visit to Berlin (1989 and 2016) and two photograms that invite us back to the darkroom under the Master House in Dessau. 100RAW, 2008 is a single channel video on a monitor that was created as a direct response to Production: Reproduction an important text formulated by the Moholys in 1922, possibly in that very darkroom. The video presents the first one hundred photographs captured by the artist in Chicago in digital RAW format that were than opened and processed in both visual and audio softwares.

Jan Tichy is a contemporary artist and educator working at the intersection of video, sculpture, architecture, and photography. His conceptual work is socially and politically engaged. Born in Prague in 1974, Tichy studied art in Israel before earning his MFA from the School of the Art Institute of Chicago, where he is now Assistant Professor at the Department of Photography and the Department of Art & Technology Studies. Tichy has had solo exhibitions at the MCA Chicago; Santa Barbara Museum of Art; Wadsworth Atheneum Museum of Art; Museum of Contemporary Photography, Chicago; Chicago Cultural Center, Tel Aviv Museum of Art and CCA Tel Aviv among others.  In  2011, he created Project Cabrini Green (2011), a community-based art project that illuminated with spoken word the last high rise building at the Cabrini Green Housing Projects in Chicago during its month long demolition.  In 2014 Tichy started to work on a long-term, NEA supported, community project in Gary, IN – the Heat Light Water Project. His works are in collections of the Museum of Modern Art, NY; Israel Museum Jerusalem; Magasin Stockholm Kunsthall and Indianapolis Museum Art among others. Recently his video Things To Come (1936–2012) was shown at the Guggenheim Museum in New York as part of the program Films To Come: Moholy-Nagy and the Moving Image.

For personal interviews as well as for high res images, questions or further information please feel free to contact us.

Best wishes,

Dr. Tilman Treusch

Contact 

Dr. Tilman Treusch
treusch@galeriekornfeld.com

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